Mit Zuckerrüben auf die Rennstrecke

Zu Gast bei Titus Dittmanns (l.) Privatgarage: (v. l.) Leonie Vieler, Lilith Diringer und Marie Yatou Diop.

Tritt Titus Dittmann demnächst mit einer Zuckerrübenbatterie „im Tank“ auf dem Nürburgring an? Mit drei jungen Forscherinnen diskutierte er die Potenziale revolutionärer Elektromobilität.

Lilith Diringer (17), Leonie Vieler (18) und Marie Yatou Diop (17) stellten beim „Jugend forscht“ IHK-Regionalwettbewerb 2016 in Münster-Hiltrup eine revolutionäre Idee in Sachen Elektromobilität vor: für die im Akku des Motors erforderliche Anode statt des gängigen Graphitmaterials Zuckerrüben, genauer gesagt aus Zuckerrübensirup gewonnene sphärische Kohlenstoffpartikel, sogenannte Carbon Spheres, zu verwenden. Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkumulatoren würden so um einiges umweltfreundlicher und nachhaltiger.

Diese im Kleinversuch erprobte Innovation ist zwischenzeitlich nicht nur bis in das Batterieforschungszentrum MEET der WWU vorgedrungen. Auch Titus Dittmann, der seinerzeit beim Wettbewerb als Schirmherr fungierte, zeigte sich so angetan, dass er spontan einen Sonderpreis auslobte. Den löste das Forscherinnen-Trio in Form eines Besuchs in Dittmanns Privatgarage am vergangenen Wochenende ein.

Den Auftakt bildete ein ausgedehntes Fachgespräch über die Zukunft des Verbrennungsmotors und die Weiterentwicklung der E-Mobilität als Alternative. Angesichts des „Diesel-Skandals“ und drohender Fahrverbote derzeit ein hochbrisantes Thema im Land. Im Anschluss ging es auf eine automobile Zeitreise durch den Dittmann’schen Fuhrpark. Hier bildete die „Alte Lady“, die skate-aid grüne Dodge Viper mit Münster-Skyline auf der Haube, mit der Dittmann über Jahre beim 24h-Rennen am Nürburgring gestartet ist, den Höhepunkt. Der Bolide wurde seinerzeit auf Autogas umgerüstet und war dank TÜV-dokumentiertem Emissionshandel bei jedem seiner Einsätze absolut CO2-neutral unterwegs. Über die Vorzüge alternativer Antriebsarten und Treibstoffe waren sich alle vier einig, nur die Frage nach dem genauen Zeitpunkt der Mobilitätswende musste unbeantwortet bleiben. Fest stand: So wie das Pferd trotz Automobil immer noch von vielen Liebhabern genutzt wird, wird auch das Automobil mit Verbrennungsmotor als Kulturgut beliebt bleiben, auch wenn in Zukunft vielleicht E-Mobile mit der „Zuckerrüben-Anode“ der drei jungen Forscherinnen das Straßenbild prägen werden.

Text: Stefan Lehmann

Fachgespräche über die Zukunft von Verbrennungsmotoren und die Weiterentwicklung der E-Mobilität: (v. l.) „Jugend forscht“-Teilnehmerinnen Marie Yatou Diop, Leonie Vieler und Lilith Diringer sowie Titus Dittmann (2. v. r.). (Foto: Stefan Lehmann)