Unterwegs mit dem Riesen-Cabrio – ein Erfahrungsbericht

„Ein rundum toller Preis“, sagt Lilith Diringer (3. v. l.) über den spontan vergebenen Sonderpreis von Jugend forscht-Schirmherr Titus Dittmann. (Foto: Stefan Lehmann)

Vom Hauptbahnhof braucht der Bus noch eine halbe Stunde und dann dauert es noch einmal etwa 15 Minuten zu Fuß, bis wir schließlich an unserem Ziel angekommen sind. Bereits nachdem wir einen ersten Schritt auf das Gelände gemacht haben, ist uns auch bewusst, warum das Haus etwas außerhalb liegt. In Münsters Innenstadt würde es nie eine Fläche geben, die groß genug wäre um all die Autos unterzubringen, die nun in unser Blickfeld fallen. Vom Oldtimer bis getuntem Rennwagen ist alles dabei.

Doch bevor wir die Autos näher bestaunen können, bringt uns der Gastgeber erst einmal eine Cola und etwas Wasser und bittet uns an seinen Gartentisch. Titus Dittmann ist es, der uns zu sich in seine Garage eingeladen hat. Der deutsche Unternehmer und „Vater der deutschen Skateboard-Szene“ interessiert sich nicht nur für das Herumfahren auf einem Brett mit ein paar Rollen, sondern auch für etwas größere und schnellere Gefährte – und zwar: Autos. In Autos liegt seine Leidenschaft, es ist sein Hobby – aber: nicht nur das. Denn inzwischen kann er selbst mit diesen Schätzen Geld verdienen, wie er uns verrät.

Doch wer sind wir eigentlich? Wir sind Leonie, Lilith und Marie. Zu dritt haben wir 2016 bei der Regionalauswahl Münster von Jugend forscht teilgenommen und mit unserem Projekt „Was haben Zuckerrüben in E-Autos zu suchen?“ unter anderem den Sonderpreis von Titus Dittman gewonnen, der die Schirmherrschaft der Wettbewerbsrunde übernommen hatte. „Eigentlich gab es gar keinen solchen Preis. Ich bin einfach an eurem Stand vorbeigelaufen und dachte – was für eine geniale Idee. Gerade weil ich doch Drecksschleudern habe, die viel zu viel Benzin verbrauchen!“ So verkündete er ganz spontan bei der Preisverleihung einen Gutschein an uns drei – ein Besuch bei ihm in der Garage mit exklusiver Führung.

Bei drei Personen aus ganz verschiedenen Ecken Deutschlands plus dem vollen Terminkalender Titus‘ hat es ein wenig gedauert, bis wir einen für alle passenden Termin gefunden hatten – aber: nun war es soweit. Am Freitag, dem 1. September, sitzen wir nun im Hof zusammen und diskutieren erst einmal  mehr als eine Stunde lang über unterschiedliche Mobilitätskonzepte und die Entwicklungen sowie Zukunftsprognosen der E-Technologie. Danach geht es nicht weniger spannend weiter – denn Titus führt uns durch seine Werkstatt. Einige der Wagen befinden sich gerade irgendwo in Reparatur oder werden erweitert beziehungsweise getestet, dennoch gibt es in der Garage von Titus einiges zu entdecken. Wagen für Wagen schauen wir uns an und erfahren alle möglichen Anekdoten. Von einem verrosteten Auto, das über Jahrzehnte in einem Transportcontainer von den USA nach Deutschland stand mit original-alten Kassetten bis hin zu einem vollkommen selbst gebauten Pkw – denn Titus‘ legt nicht nur Wert auf das Aussehen der Autos sondern kennt sich auch ziemlich gut mit den technischen Details und der Funktionsweise aus, wie wir sehr schnell feststellen. So gehen seine Erklärungen über die offensichtlichen Aspekte hinaus und wir erfahren alles bis ins kleinste Detail. Auch bei seiner grünen Renn-Viper, die mit LPG-Autogas angetrieben wird und erst vor wenigen Monaten auf dem 24-Stunden-Rennen am Nürburgring startete, wird uns ganz genau das Löschsystem, die Belüftungsanlage und die Motorfunktionsweise erklärt.

Wir sind so interessiert, dass Titus ganz die Zeit vergisst. Gegen halb sieben abends steigen wir schließlich in das riesige 1959er-Cadillac-Cabrio ein, mit dem wir einmal quer durch Münster zum Hauptbahnhof gebracht werden. Ein Erlebnis für sich, sodass selbst die Regentropfen, die langsam von oben kamen, uns nichts ausmachen konnten. Ein rundum toller Preis – und mal sehen, ob nicht im nächsten Rennwagen von Titus eine Zuckerrübenbatterie von uns zum Einsatz kommt.

Text: Lilith Diringer

(v. l.) Lilith Diringer, Marie Yatou Diop und Leonie Vieler beim IHK-Regionalwettbewerb Jugend forscht 2016 in Münster. (Foto: IHK)