Die Lösung fand er mitten in der Nacht

Felix Röwekämper beim Bundeswettbewerb 2018 (Foto: Stiftung Jugend forscht e. V.)

„Es ist alles Wahnsinn, was ich in den letzten Monaten erreicht habe“, freut sich der 21-jährige Felix Röwekämper. Dabei unterscheidet sich sein Lebensweg zunächst nicht sehr von dem vieler anderer Jugendlicher in Deutschland. 2013 erwirbt er die Mittlere Reife und beginnt anschließend in seiner Heimatstadt Ibbenbüren eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Schnell zeigen sich Felix Röwekämpers Begabungen. Mit sehr guten Ergebnissen schließt er die Ausbildung vorzeitig ab. Weil er zu den besten Azubis in seiner Region gehört, erhält er gleich im Anschluss den Ausbilderschein. So qualifiziert unterrichtet er in den folgenden zwei Jahren in seinem ursprünglichen Ausbildungsbetrieb, der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH, die angehenden Industriemechaniker. Seine Schüler sind zumeist älter als er. Sogar die Auszubildenden seines eigenen Jahrgangs begleitet er zum Abschluss ihrer Ausbildung: „Die Tätigkeit war eine große Herausforderung für mich. Insbesondere auch, weil es mir wichtig war, den Respekt meiner Schüler zu erlangen.“ Aber letztlich klappt alles gut, wie er rückblickend berichtet.

 

Der Weg zum Forscher

Felix Röwekämper ist motiviert und sehr interessiert, über den Tellerrand hinaus zu blicken und mitzubekommen, was in seinem Arbeitsumfeld passiert. Vor allem begeistern ihn Themen rund um den Arbeitsschutz. Dazu beobachtet, forscht und arbeitet er in seiner Freizeit. Er sieht, wie leicht sich Kolleginnen und Kollegen beim Fräsen an den Maschinen verletzen können und entwickelt eine spezielle Magnetschutzkappe, sodass niemand mehr mit den scharfen Kanten der Werkzeuge in Berührung kommen kann. Der Jungforscher meldet seine Erfindung zum Patent an und gewinnt damit sogar eine Auszeichnung: den „Vision Zero Förderpreis 2015“ für Auszubildende der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie.

Und noch ein weiteres Problem in Sachen Arbeitsschutz lässt ihn abends schlaflos im Bett liegen: Die Bohrmaschinenschraubstöcke, mit denen aktuell in Betrieben gearbeitet wird, sind weder bedienungsfreundlich noch sicher. Darüber hinaus sind sie sehr teuer. Es verwundert daher nicht, dass Felix Röwekämper mitten in der Nacht seinen Heureka-Moment erlebt: Er findet einen Lösungsansatz, springt aus dem Bett und entwickelt noch nachts seine ersten handschriftlichen Skizzen für einen sicheren Schraubstock. Am nächsten Morgen setzt er diese am Computer in CAD-Zeichnungen um. Anschließend baut er in der heimischen Werkstatt den ersten Prototypen, der alle seine Anforderungen erfüllt.

 

Erfolgreich bei Jugend forscht

Parallel dazu sucht der Jungforscher nach einer öffentlichkeitswirksamen Plattform, um auf seine Erfindungen und sich selbst aufmerksam zu machen. Jugend forscht schwebt ihm dabei schon eine Weile im Kopf herum. Er denkt zunächst, der Wettbewerb sei „etwas zu hoch für ihn“. Aber dann probiert er es dennoch. Er nennt es „die eigene Komfortzone verlassen“. Sein Ziel ist es, die eigenen Grenzen zu überschreiten, um etwas Neues zu erreichen und sich weiterzuentwickeln.

2017 meldet sich Felix Röwekämper dann sogar mit zwei Projekten bei Jugend forscht an. Mit beiden erreicht er den Landeswettbewerb in Nordrhein-Westfalen. Mit seinem innovativen Bohrmaschinenschraubstock schafft er es dann bis ins Bundesfinale, das im Mai 2018 in Darmstadt stattfindet. Dort erringt er zu seiner großen Überraschung den Bundessieg im Fachgebiet Arbeitswelt. Darüber hinaus wird sein Projekt mit dem Sonderpreis für eine Arbeit auf dem Gebiet „Gute Prävention und Rehabilitation“ ausgezeichnet. Ein großer Erfolg, der ihm nicht zuletzt auch eine wichtige Erkenntnis vermittelt: „Jugend forscht hat mir gezeigt, wenn man etwas will, kann man viel schaffen!“

 

Jugend forscht öffnet Türen

Und auch Felix Röwekämpers ursprünglicher Plan geht auf: Durch seinen Erfolg bei Jugend forscht erlangen er und seine Projekte die angestrebte Aufmerksamkeit. Das mediale Interesse ist groß. Deutschlandweit verhandelte der Jungforscher mit Herstellern, die an der Produktion seines Bohrmaschinenschraubstocks interessiert sind. Zukünftig übernimmt das Unternehmen Arnz Flott GmbH Werkzeugmaschinen die Produktion seiner Erfindung.

Auch sonst hat er seiner Einschätzung nach von der Teilnahme an Jugend forscht profitiert. „Die Präsentation meiner Projekte auf den Wettbewerben und die Gespräche, die ich dort mit vielen, ganz verschiedenen Menschen geführt habe, haben mich souveräner werden lassen“, befindet der Jungforscher. Zudem bestärken ihn seine Erfahrungen bei Jugend forscht „in seinem Traum“, künftig einen Job auszuüben, bei dem er kreativ sein und eigene Ideen entwickeln kann. Er möchte neue Dinge erfinden und eigenständig arbeiten. Dieses Ziel wird er in den kommenden Jahren konsequent weiter verfolgen. Demensprechend will er in der Forschung oder in der Entwicklung tätig sein, wenn er seine aktuelle Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker abgeschlossen hat, – oder sich vielleicht sogar selbstständig machen.

Text: Stiftung Jugend forscht e. V.